Das Raumschiff Enterprise war das Raumschiff Erde als Mikrokosmos.
-Gene Roddenberry, Star Trek-Schöpfer
Gene Roddenberry erschuf Star Trek vor 40 Jahren als eine kleine, etwas radikale Fernsehserie, die intelligente
Science-Fiction-Kost für
Erwachsene bieten und den Leuten dabei einige Ideale auf den Weg mitgeben wollte. Etwas an dieser Serie beflügelte die Fantasie von
unzähligen Menschen und erweckte eine Hingebung zur Serie die heute noch ihrergleichen sucht. Im Laufe von 40 Jahren folgte auf der
Originalserie eine kurzlebige und weitgehend unbekannte Zeichentrickserie, eine Fortsetzungsserie, zwei Ablegerserien, eine
ebenfalls recht kurzlebige Vorläuferserie und zehn Kinofilme, mit einem weiteren Film (angeblich) in den frühen Stadien der
Produktion. Unzählige Conventions werden weltweit abgehalten, es gibt Star Trek Ausstellungen und Themenparks und eine schier
unglaubliche Auswahl an Merchandise, die jedes Bedürfnis von wunderschönen vergoldeten Raumschiffsmodelle bis hin zu
Trek-Wundpflaster befriedigt.
Star Trek ist zu einem weltweiten und weltweit einmaligem Massenphänomen geworden. In über 100 Ländern gezeigt und in duzende
Sprachen übersetzt, hat die Serie einen Siegeszug um die ganze Welt vollbracht. Seriöse Zeitschriften wie 'Scientific American' und
'The Economist' beziehen sich darauf in ihren Artikeln über die Raumfahrt, die Technologie oder die Zukunft. Anspielungen auf Trek in
Literatur, Musik und Film sind an der Tagesordnung... als Beispiele seien hier '3001' (die Fortsetzung zur berühmten "2001: Odyssee im
Weltraum"), 'Californication' der Red Hot Chilli Peppers und natürlich 'Traumschiff Surprise' genannt. 'Trekkies' sind die einzige Fangruppe, die in
der Oxford-Lexikon genannt werden.
Star Trek hat sich vor allem in der amerikanischen Kultur eingebettet auf einer Weise, die bisher unerreicht geblieben ist, und auch
hierzulande gibt es kaum jemanden, der nicht mit den grundlegenden Elementen der Serie vertraut ist. (Und schon gar nicht, seit Captain Kork und Mr. Spuck
die Miss-Waikiki-Wahl gewonnen haben)
Man könnte daher durchaus von einem soziologischen Phänomen sprechen. Laut dem Umschlagstext des Jubiläumsbuches von J.M. Dillard 'Star
Trek: Where No One has gone before'(Pocket Books 1994), bekennen sich satte 50% der amerikanischen Bevölkerung als Star Trek Fans, was auch immer
sie als Fans verstehen. Dennoch wird den Star Trek Fans (und Science-Fiction Fans im Allgemeinen) nachgesagt, sie seien realitätsfremd,
unfähig, mit ihren Mitmenschen umzugehen, und würden eher in einer Fantasiewelt als in der unseren leben.
Da ich selber seit vielen Jahren begeistert die Abenteuer der Enterprise verfolge, habe ich dieses Thema als Gegenstand meiner Arbeit
ausgewählt, um mir selber ein Bild von den Star Trek Fans zu machen, was sie machen, wie sie denken, und was sie an Star Trek lieben.
Ich wollte nicht über die Serie schreiben, denn darüber gibt es schon (zu)viele Bücher. Es existieren zwar auch bereits diverse Bücher
und Dokumentarfilme über das Fan-Phänomen, aber diese zeigen die Fans in einem schlechten Licht, vor allem, wenn es sich um ein von
einem Trek-Schauspieler geschriebenen Buch handelt. Ich wollte für mich entdecken, wer die Star Trek Fans sind. Dies wird den Hauptteil
meiner Arbeit ausmachen, und ich werde ebenfalls die Fan Clubs als älteste Gemeinschaftsform der Fans genauer anschauen. Ein weiterer
Schwerpunkt dieser Arbeit wird sein, worin der Reiz von Star Trek besteht, und was an der Serie ihr zu vierzigjährigem Bestehen verholfen hat.
Andere angeschnittenen Themen werden Merchandising sein, das in Fankreisen ein eher kontroverses Thema ist, sowie die Symbiose
zwischen den Fans und der Serie.
Star Trek Fandom hat viele Aspekte: ein Fan kann in Clubs und an Conventions den Anschluss an Gleichgesinnte finden, sich kreativ
als Webmaster, Schriftsteller, Redakteur, Filmregisseur oder Baumeister betätigen, oder passiv die Produktionen der schöpferischen Fans geniessen.
Ich kann nicht behaupten, eine umfassenden Überblick übers Fandom geschrieben zu haben, denn zweifellos habe ich gewisse Aspekte nicht
einmal angeschnitten. Noch kann ich behaupten, meine Beobachtungen entsprechen der gesamten Wahrheit, denn im Rahmen dieses Projektes konnte ich keine Zufallsstichprobenerhebung machen, sondern nur die Menschen
interviewen, die gewillt waren, mir Auskunft zu geben, und diese stellen nicht unbedingt die Gesamtheit aller Fans dar.
Doch aufgrund der Grosszügigkeit vieler Menschen aus allen Kontinenten wurde mir ein faszinierender Blick in die Welt der Star Trek Fans
gewährt... und dorthin möchte ich dich jetzt mitnehmen.